Leitartikel des Weggefährten Januar 2019

„The same procedure as last year, Miss Sophie?” – „Same procedure as every year, James.”

2019-1_Leitartikel (c) Pfarre St. Peter & Paul
2019-1_Leitartikel
Mo 17. Dez 2018
Margot Karenfort

Dinner For One – Viele von uns schauen Jahr für Jahr diesen Kult gewordenen Sketch zum Jahreswechsel an. Diese geniale Komödie gehört zum Silvesterabend wie der geschmückte Tannenbaum zum Weihnachtsfest.

Was wird 2019 bringen? Bleibt alles beim Alten? Was kommt an Neuem auf mich zu? Was darf sich ändern, wo erhoffe ich mir sogar eine Verbesserung?

„Panta rei” – alles ist im Fluss, alles verändert sich. Das haben schon die alten Griechen festgestellt. In der menschlichen und menschheitlichen Erfahrung ist „Veränderung”, „Wandlung” seit jeher ein Urwort. Alles, was lebt, befindet sich in Wandlung. Im Laufe eines Jahres wandelt sich die Natur, auch unser Organismus, immer wieder. Doch nicht immer sind uns Neuerungen willkommen. Manche Traditionen vertragen es, dass es mal die eine oder andere Variation gibt, andere Gewohnheiten dürfen auf keinen Fall verändert werden.

Ich erinnere mich, wie vor vielen Jahren meine Mutter einmal neue Christbaumkugeln gekauft hatte - mal etwas Abwechslung. Aber uns Kindern gefiel dieser „neue” Weihnachtsbaum überhaupt nicht, und so haben wir im folgenden Jahr den Baum wieder geschmückt, wie er auch sonst immer war. Bis heute würde mir etwas fehlen, wenn der Baum im Wohnzimmer meiner Eltern nicht geschmückt wäre mit den roten Pappmaché-Äpfelchen und filz-bemäntelten Nussfiguren, die mein Bruder und ich schon im Kindergarten gebastelt haben.

Den Sketch „Dinner For One” dagegen kann ich mir sehr gerne auch in den verschiedenen Versionen ansehen: natürlich ist da vor allem das überragende Original mit Freddie Frinton und May Warden. Aber genauso gut gefällt mir am Silvesterabend auch die Version von Otto Waalkes und Ralf Schmitz oder auch die kölsche Variante dieser lustigen Szene.

Beim Weihnachtsbaum und bei den Silvestertraditionen geht es vielleicht nur um Kleinigkeiten. Aber es gibt ja auch größere Veränderungen, die das Althergebrachte über den Haufen schmeißen, die uns aus der Bahn werfen, die mich verunsichern oder sogar mit Sorge oder Furcht erfüllen.

„Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe. Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung. Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben wie es ist!” (Lothar Zenetti). Gerade mit der „Wandlung”, mit der Veränderung in der Kirche, in unserer Pfarre, in unserer Stadt, tun wir uns schwer. Wenn man mal genauer nachfragt, dann würden die Meisten durchaus zustimmen, dass sich etwas verbessern muss. Aber bitte nicht bei mir, nicht in meiner Gemeinde. Wenn sich schon was ändern muss – aber mein Sitzplatz in der Kirche muss genau an dieser Stelle und zu genau derselben Uhrzeit für mich da sein.

 

Ganz sicher ist: 2019 wird Veränderungen bringen. In meinem Leben. In meiner Familie. In unserer Gemeinde, in unserer Kirche vor Ort. Und auch in unserem Bistum (siehe den Prozess „Heute bei dir”). Und sicher wird es so sein wie mit dem Wunschzettel zu Weihnachten: nicht immer gehen alle Wünsche in Erfüllung. Manche werden sagen, dass ihnen die Veränderungen noch nicht weit genug gehen. Und andere werden dem hinterhertrauern, was nun nicht mehr so ist, wie es mal war.

Für alle Wandlungen und Veränderungen in diesem Jahr wünsche ich uns allen viel Kraft. Ich wünsche uns auch Mut zum Träumen, damit wir uns mit dem jetzigen Zustand der Kirche und unserer Gemeinde nicht zufrieden geben, sondern dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen auf der Suche nach dem Reich Gottes für die Menschen in unserer Zeit, in unserer Stadt. Möge Gott uns beistehen, dass wir miteinander noch mehr Gemeinde Jesu werden – eine Gemeinschaft, die dafür sorgt, dass keiner auf der Strecke bleibt.

Möge uns alle der Segen Gottes durch das Jahr begleiten!

Michael Datené, Pfr.