Leitartikel des Weggefaehrten Oktober 2019

Ökumenische Schöpfungszeit

2019-10_ Leitartikel (c) Pfarre St. Peter & Paul
2019-10_ Leitartikel
Datum:
Mo 16. Sep 2019
Von:
Margot Karenfort

Die Sommerferienzeit liegt nun hinter uns. Deutlich zeigt die Natur herbstliche Spuren. Bauern und Winzer fahren die Ernte dieses Jahres ein. Im Oktober feiern wir Erntedank und erinnern uns daran, dass die Früchte der Erde kostbar und nicht selbstverständlich sind.

Jährlich findet vom 1. September bis zum 4. Oktober die „Schöpfungszeit“ statt, die von Christen weltweit begangen wird. Die ökumenischen Feiern des Gebets und der Aktion für die Schöpfung haben am „Weltgebetstag für die Fürsorge der Schöpfung“ begonnen. Am 4. Oktober endet die sogenannte „Schöpfungszeit“ mit dem Fest des Heiligen Franziskus. Sie will uns erneut an unsere gemeinsame Verantwortung für die bedrohte Schöpfung Gottes erinnern. Doch statt dessen ist der Mensch und sein Handeln selbst zur größten Gefahr für die Schöpfung geworden.

Die erschreckenden Bilder von brennenden Tropenwäldern, verdorrten Bäumen, Hitzewellen und Überschwemmungen führen uns dramatisch vor Augen, wie fragil und gefährdet das Leben auf unserem Planeten ist. Derzeit landen jedes Jahr 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle im Meer, die – neben anderen Schäden – bei rund 100.000 Meeresarten zum Tod führen. Das Problem liegt nicht nur darin, dass die meisten Kunststoffe nach ihrer Verwendung noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte intakt bleiben. Darüber hinaus werden die Kunststoffe, die sich zersetzen, schließlich zu Mikrokunststoffen, die durch viele Fische und andere Meeresbewohner aufgenommen werden. Dies verunreinigt die weltweite Nahrungskette. Ein kürzlich erschienener Bericht der Vereinten Nationen schätzt, dass der heutige Lebensstil eine Million Arten auszulöschen droht.

Spätestens jetzt, am Beginn des 21. Jahrhunderts, ist es Zeit umzusteuern. Das machen uns in aufrüttelnder Weise die vielen jungen Menschen deutlich, die sich weltweit in der Bewegung „Fridays for Future“ engagieren. Wir haben kein Recht, über unseren Anteil hinaus heute die Ressourcen zu verbrauchen, die zukünftigen Generationen dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Und wir haben kein Recht, zur Aufrechterhaltung unseres gegenwärtigen Wohlstands so viele Ressourcen zu verbrauchen, dass sie den jetzt lebenden Armen anderswo fehlen.

Gottes Schöpfung ist etwas Wunderbares und sie verdient es, gewürdigt und beschützt zu werden. Dafür muss in Politik und Gesellschaft viel bewegt werden, müssen Organisationen und Unternehmen einiges bewirken, aber vor allem kann jeder einzelne Mensch anfangen und etwas tun – sogar eine ganze Menge. Fangen wir heute damit an!

 

Sr. Martina