Leitartikel des Weggefaehrten Maerz 2019

Fasten heißt frei werden

2019-03_Leitartikel (c) Peter Weidemann in: Pfarrbriefservice.de
2019-03_Leitartikel
Mi 20. Feb 2019
Margot Karenfort

Fastenerfahrungen haben heute viele Menschen, Christen wie Nichtchristen. Sie fasten aus verschiedenen Motiven: für den Frieden, für Gerechtigkeit, für das Leben. Und dann gibt es viele, die der Gesundheit wegen fasten. Sie essen weniger, um schlank zu bleiben, oder sie machen Fastenkuren, um Achtsamkeit einzuüben oder von Krankheiten befreit zu werden.

Wenn wir uns als Christen in den Wochen der Fastenzeit auf Ostern vorbereiten, dann ist damit viel mehr gemeint als nur Verzicht auf Essen. Fasten soll ein Zur-Ruhe-Kommen sein, eine Gelegenheit zur Besinnung auf das Wesentliche.

Wie wäre es zum Beispiel, die ständige Reizüberflutung einmal wegzulassen? Fernseher aus, Radio aus, Verzicht auf Computerspiele - Stille erleben. Wer einmal jegliches Berieselungsprogramm abstellt, kann nach innen hören und kommt zum Nachdenken. Dann gilt es, seine Zeit anders zu füllen - ein Buch lesen, Freunde sehen, Spaziergänge machen, Sport treiben. Die Zeit wird dabei bewusster erlebt als bei der Ablenkung durch Medien.

Oder der ausdrückliche Verzicht auf Konsum. Was kaufen wir nicht alles, was wir eigentlich nicht brauchen? Der Fastenvorsatz könnte lauten: keine Shopping-Touren, nichts im Vorbeigehen kaufen, keine Lustkäufe. Das bewusste Innehalten macht den Blick frei auf die Überflussgesellschaft. Was ich dabei spare, könnte ich an Bedürftige abgeben.

Schon zur Tradition geworden ist für manche das jährliche Autofasten. Viele sind aufs Autofahren angewiesen. Oft ist es aber auch einfach nur bequem. Wer eine Zeit lang aufs Auto verzichtet, gewinnt dabei. Er geht mehr zu Fuß. Er sieht, hört und spürt seine Umwelt bewusster, statt durch sie hindurch zu rauschen. Und nebenbei schont er das Klima.

Ein guter Fastenvorsatz kann auch sein, die Fülle der Dinge, die sich in Schränken, Schubladen und Regalen angesammelt haben, nach und nach zu sichten und auszumisten. Wer sich von überflüssigem Ballast trennt, gewinnt wieder Freiraum – äußerlich und innerlich.

Vielleicht haben Sie ja auch Ihre ganz persönliche Art, die Fastenzeit für sich zu gestalten. Viele Menschen nehmen in diesen Wochen z.B. gerne an Exerzitien im Alltag teil und lassen sich von den täglichen Impulsen zum Gebet anregen. Oder sie lesen jeden Tag einen Abschnitt aus der Bibel, nehmen ihn in sich auf, lassen sich von ihm bewegen und zum Handeln motivieren. Es gibt viele Möglichkeiten, den Weg auf Ostern hin bewusst zu gehen. Ich wünsche uns allen eine segensreiche Zeit!

 

Sr. Martina