Leitartikel des Weggefährten Januar 2018

"Nur noch kurz die Welt retten"
Mo 1. Jan 2018
Margot Karenfort

Liebe Gemeindemitglieder!

Können Sie sich noch erinnern an das Lied von Tim Bendzko „Nur noch kurz die Welt retten“?

Manchmal kommt mir dieses Lied noch heute in den Sinn. Denn auch bei mir ist es manchmal so, dass ich noch ganz dringend „diese eine Sache“ erledigen muss, dass ich von einem Termin zum nächsten haste und dass mich im Hinterkopf die Gewissheit plagt, dass ich ja auch noch meine „148 Mails checken“ muss.

Nur noch kurz die Welt retten...

Die Zeit zwischen den Jahren, die Weihnachtsferien sind da oftmals eine willkommene Ruhepause. Auch ich halte in diesen Tagen gerne inne und frage mich: Wie ist das vergangene Jahr gelaufen? Was hat sich verändert? Welche wichtigen Entscheidungen habe ich treffen müssen? Was ist gelungen, und was habe ich verpasst?

 

Eine Rückschau auf das vergangene Jahr, verbunden mit einem Ausblick auf das beginnende neue Jahr mit entsprechenden guten Vorsätzen – dazu bieten sich die Tage rund um den Jahreswechsel besonders an.

Jedes Jahr, ja eigentlich jeden Tag bieten sich uns.viele solche Möglichkeiten an. Doch welche Richtung schlagen wir ein? Sollen wir uns für das eine oder das andere, für dieses oder jenes entscheiden? Mit jeder Entscheidung geben wir dem Leben eine bestimmte Gestalt. Wir können in den meisten Fällen nicht mehr zurück, um uns noch einmal anders zu entscheiden. Das macht es nicht leichter, die richtige Wahl zu treffen.

 

Eine orientalische Geschichte bringt dies auf den Punkt: Ein Mensch wird in einen großen runden Raum versetzt. In der Mitte steht ein bequemes Bett, worauf er ausruhen darf. Aber die Ruhe dauert nicht lange; sie weicht der Unzufriedenheit. So überlegt er, wie er aus diesem Raum heraus kommt und Neues entdecken kann. Das scheint kein Problem zu sein, denn hunderte von Türen umschließen den Raum - hunderte von Möglichkeiten. Für welche soll er sich entscheiden? Weiß er doch nicht, was hinter jeder Türe steckt. Hinter welcher Tür öffnet sich ein wunderschöner Garten; hinter welcher lauert vielleicht ein wildes Tier? Keine der Türen ist abgeschlossen; aber in dem Moment, wo er eine Tür öffnet und durch sie hindurch schreitet, verschließen sich alle anderen.

 

Am Ende des Jahres wissen wir, welche Türen wir 2017 durchschritten haben. Mit Blick auf das Neue Jahr aber stehen wir wieder vor vielen neuen Türen: Welche Herausforderungen warten hinter dieser Tür? Welche Entscheidungen verbergen sich hinter jener Tür? Wohin gelangen wir, wenn wir diesen Weg einschlagen? Welche bewegenden Momente eröffnen sich uns, wenn wir den Mut finden, über jene Türschwelle zu treten? Wer wartet hinter der Tür auf uns und erhofft sich von uns Trost und Hilfe?

Im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. (Joh 10,9) Verlassen wir das bequeme Bett des runden Raumes und machen uns auf, die Tür zu Jesus Christus zu öffnen. Dabei dürfen wir die Verantwortung für die Erlösung der ganzen Welt getrost Gott überlassen. Bei allen wichtigen Entscheidungen, die ich treffen muss - nicht ich bin es, der „nur noch kurz die Welt retten muss“. Nur Gott allein vermag derart Großes zu schaffen – und er hat es bereits getan in Jesus Christus.

Und nun liegt es an uns, den eigenen kleinen Beitrag zu einem lebenswerten Leben für alle Menschen zu leisten.

Möge Gott uns im neuen Jahr neue Türen und Horizonte öffnen und uns Wege und Möglichkeiten zeigen, seine Liebe heute zu leben. Dazu wünsche ich Ihnen und Ihren Familien von Herzen Gottes Segen und die Begeisterung des Geistes Jesu Christi.

 

Für das Pastoralteam

Michael Datené, Pfr.